Die letzte Etappe
Von Bamako bis Ouagadougou, 19. – 29. September
Einer der mächtigsten Ströme Afrikas, der Niger, fließt langsam und behäbig durch Bamako, Malis quirlige Hauptstadt. Wir sitzen an seinem Ufer auf der Terrasse des Hotel Djoliba, einer etwas in die Jahre gekommenen Ferienanlage, genießen bei einbrechender Dunkelheit ein Mahl aus Brochettes und Aloko – kleine Fleischspießchen mit frittierten Kochbananen – und beobachten, wie eines der ungeheuren Regenzeitgewitter über die Stadt heranzieht. Es ist einer unserer letzten gemeinsamen Abende. Hier in Bamako müssen wir uns schweren Herzens von Katharina verabschieden, die sich doch dazu entschlossen hat, ihren Flug nach Hause plangemäß wahrzunehmen. Obwohl wir alles versucht haben, sie noch umzustimmen! Dafür steigt hier in Bamako Andreas von Afrisolar zu, um bei der letzten Etappe mit an Bord der Rosinante zu sein. So brechen wir in Richtung Ouagadougou, der Hauptstadt Burkina Fasos auf. 
Abends in Sikasso in der Nähe der burkinischen Grenze angelangt, haben wir wieder mal Hunger. An einem einfachen Stand gibt es Hühnchen mit Pommes. Nicht ungewöhnlich, aber wir wundern uns: die Größe der Hühnerbollen ist irgendwie seltsam. Solche Schenkel haben die mageren afrikanischen Tierchen einfach nicht! Wir mutmaßen, dass die kräftigen Stücke aus dem hohen Norden kommen. Europäer konsumieren ja quasi nur noch Brustfilets, die hochsubventionierten Fleischreste überschwemmen hier die Märkte. Und die Kühlkette? Schon der Ausdruck „Kühle“ wirkt hier wie ein Fremdwort, selbst nachts läuft uns der Schweiß, gemischt mit rotem Staub und Mückenmilch. Eine warme Mahlzeit mit Risiken und Nebenwirkungen.
In Ouagadougou kommen wir an, als die Sonne gerade untergeht. Das klingt romantisch, ist es aber nicht, denn der Verkehr ist in der Dunkelheit noch gemeingefährlicher als bei Tag. Das Hauptverkehrsmittel der Burkinabé ist das Moped, und davon gibt es Tausende auf den Straßen, die sich wild kreuzend einen Weg bahnen. Dazu Fahrräder, dröhnend hupende Lastwagen ohne Bremse, Eselskarren, viele Autos ohne Scheinwerfer, und natürlich Fußgänger. Schockierend viele Unfälle auf unserem Weg ins Zentrum, wir sind alle erleichtert, als wir schließlich heil bei AMPO angekommen sind, einem Waisenhausprojekt, das uns für die Zeit in Ouagadougou beherbergt.
Ouagadougou ist nicht gerade eine Schönheit. Die „offizielle“ Architektur besteht aus spektakulär grauenhaften Betonphantasien, besonders in „Ouaga 2000“, einem Mammutneubauviertel, in dem sich auch der gigantische neue Präsidentenpalast und eine Art Eiffelturm befinden. Mitten in der Stadt ist aus dubiosen Gründen auch ein enormes kleeblättriges Autobahnkreuz angelegt. Absurd. Nicht zu vergessen, im Zentrum liegt auch der Flughafen. Ein riesiges zerschollenes Transportflugzeug wird gerade ausgeschlachtet. Die Weitläufigkeit der vielen anderen Stadtteile ist verwirrend. Biegt man von den größeren Hauptstraßen in eines der Viertel ein, rumpelt man sofort über löchrige Staubpisten, die allesamt vom Hochwasser Anfang September sehr mitgenommen sind. Alle erzählen von den katastrophalen Verwüstungen, das es angerichtet hat, ganze Stadtviertel sind zerstört, viele Tausende obdachlos. (Auch die Krokodile im Stadtpark sind ausgebüchst.)
Wir fühlen uns sofort wohl und willkommen. Die Freundlichkeit der Burkinabé ist sprichwörtlich. Halbe Tage werden damit verbracht, sich ausführlich nach dem gegenseitigen Befinden und dem der Familie zu erkundigen, dabei lernen die Burkina-Neulinge unter uns den typischen Handschlag, der mit einem coolen Schnippen der Mittelfinger und Daumen endet. Dabei wird immer viel und herzlich gelacht, das ist einfach ansteckend. So verbringen wir rund eine Woche in der Hauptstadt, besuchen Solarprojekte in verschiedenen Dörfern des Umlandes, kurieren diverse Malaisen aus, lernen spannende Menschen kennen oder sehen alte Freunde wieder, gehen ins Kino und in die unterschiedlichen Restaurants und Kneipen, und genießen die letzten gemeinsamen Tage unserer Reise. nat 


































