Grenzerfahrung und Ramadan
Von der marokkanischen Grenze nach Rabat, 29. bis 30. August
Das Surferparadies Tarifa ist der letzte Ort, den wir von Spanien sehen. Endlich verlassen wir den europäischen Kontinent und landen nach einer kurzen windigen Schifffahrt in der Hafenstadt Tanger. Die Ausfahrt des Hafens schon vor Augen werden wir in letzter Minute von wild gestikulierenden Grenzbeamten gestoppt. Die Einreiseformalitäten müssen noch erledigt werden. Ein freundlich wirkender Marokkaner nimmt unseren FahrerInnen die Ausweise ab und verschwindet. Wir warten. Nichts passiert. Nach zehn Minuten machen sich Sebastian und Nathalie auf die Suche nach ihren Papieren. Der Mann entpuppt sich als Schreiber. Er verdient sein Geld damit, für Einreisende die Grenzformulare auszufüllen. Eine wichtige Arbeit in einem Land mit mindestens 55 Prozent AnalphabetInnen. Auch wenn wir die Bögen natürlich selbst ausfüllen könnten. Für einen Euro erhalten wir nach kurzer Diskussion die Ausweise zurück. Nun müssen wir nur noch registriert werden und dann geht es endlich weiter.
Das sonst so quirlige Tanger zeigt sich träge. Es ist Ramadan, wenige Stunden vor Sonnenuntergang. Von der Hitze und dem Fasten erschöpft sitzen Männer, Frauen und Kinder im Schatten. Sie warten auf Ftour, das Fastenbrechen bei Sonnenuntergang. Restaurants und Salons du Thé sind geschlossen. Lediglich an den Straßenständen bilden sich kleine Menschentrauben. Sie kaufen Brot und Früchte für die Abendmahlzeit. Wir durchqueren zügig die Palmen gesäumten Straßen, vorbei an strahlend weißen Häusern, Moscheen und den üppig grünen Gärten des Botschaftsviertels. Auch wir wollen vor Sonnenuntergang unseren Campingplatz südlich von Tanger erreichen.
Bei unserer Ankunft beginnen die Marokkaner gerade ihre Mahlzeit mit der Harira, einer dicken nahrhaften Gemüsesuppe. Auch wir wollen etwas essen gehen, bemerken jedoch schnell, dass während der Ftour fast alle Restaurants geschlossen sind. Nach einigem Suchen finden wir schließlich ein kleines Lokal am Ende eines Labyrinths ineinander verschachtelter Treppen direkt an der Küste. Unter uns tobt die Brandung des Atlantiks, doch wir sitzen trocken an einem kleinen Tisch und genießen einen starken süßen Minztee. Der Kellner bringt uns köstlichen Tajine, einen im Tongefäß zubereiten Eintopf mit Kartoffeln, Gemüse und Fisch und kleine Hackbällchen mit Oliven. Statt französisch spricht er ein melodisches Spanisch mit der sanften Einfärbung der Kanaren – die Sprache der ehemaligen Kolonialmacht Spanien, die bis 1962 den Norden Marokkos beherrschte.
Müde und satt fallen wir auf unsere Isomatten. Von dem Gemurmel und Gelächter der marokkanischen Campingplatzbesitzer eingelullt, die noch bis früh in den Morgen beisammen sitzen, gleiten wir langsam in süße Träume. katharina



2 Kommentare so far
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Hallo miteinander, macht Spass Eure Berichte zu lesen, bin schon ein wenig neidisch. Freue mich auf weitere Infos.
Passt auf Euch auf und lasste es Euch gut gehen.
Bis bald, liebe Grüße Ebi
By Ebi on 08.31.09 20:03
Liebe Katharina und liebe mir unbekannte Crew,
cooler Blog das hier und die Nachrichten sind bisher alle sehr spannend. Hoffe, dass Ihr gut durchkommt und noch viele spannende Nachrichten veröffentlicht. Wir haben uns alle sehr gefreut, als endlich die Nachrichten nur so sprudelten.
Liebe Grüße
Hannes
By Hannes on 08.31.09 22:38
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