Landstraßengeschichten und zu Gast bei Dieter Uh
Von Tanger nach Rabat, 29. bis 31. August
Der Samstagmorgen beginnt gemütlich mit Kaffee, Baguette und Zeitunglesen im Schatten der Pinienbäume. Heute haben wir nur eine kurze Strecke von 250 Kilometern vor uns – und die wollen wir genießen. Statt der Autobahn wählen wir die Landstraße, laut Reiseführer eine wunderschöne Strecke am Meer entlang und durch die Berge. Das Wasser glitzert in der frühen Morgensonne. Am Straßenrand reihen sich kleine strohgedeckte Büdchen mit aufgetürmten Honigmelonen aneinander. Berberinnen mit bunt verzierten gelben Strohhüten sitzen unter den Bäumen und verkaufen Früchte und Gemüse. Auch heute beginnt der Morgen träge. Wer nicht arbeiten muss, sucht den Schatten der Bäume und erholt sich von einer langen Nacht.
Nur der Straßenverkehr folgt seinen eigenen Regeln. Kreuz und quer wechseln die Autos von einer Spur auf die andere. Blinken links und biegen rechts ab. Manche schleichen mit 40 Stundenkilometern den Weg entlang, andere hupen und kreuzen viel zu dicht an uns vorbei. Hinter Larache fahren wir in die Berge. Das üppige Grün der Küste weicht einer karg bewachsenen Hügellandschaft. Der Weg ist wenig abwechslungsreich und zieht sich immer mehr in die Länge. Wir haben Hunger, doch vor den Augen der Fastenden wollen wir nicht essen. Leider finden wir entlang der Landstraße nirgends ein menschenleeres Plätzchen für eine Pause und fahren einfach weiter.
So erreichen wir erschöpft gegen Abend Rabat. Müde schlängeln wir uns durch die Straßen der marokkanischen Hauptstadt. Eine rote Ampel wird übersehen und die Rosinante direkt von einem in zivil gekleideten Marokkaner an den Straßenrand gewunken. Wir ignorieren ihn und fahren einfach weiter. Doch ohne Erfolg. Der Mann folgt uns in seinem Lieferwagen und schließlich halten wir doch. „Warum fahrt ihr über rote Ampeln? Kennt ihr die Polizei nicht?“ fragt er Sebastian. Als er erfährt, dass wir uns verfahren haben, weist er uns an, ihm zu folgen. Kreuz und quer folgen wir ihm durch das Straßengewirr – und überfahren dabei drei weitere rote Ampeln. Am Stadtrand vor der Präfektur zeigt er uns die Straße, die uns direkt zum Ziel führt und verabschiedet sich lachend.
Am Wegrand vor einem kleinen Kiosk sehen wir einen Mann mit weißem T-Shirt und Shorts. Endlich haben wir unser Ziel erreicht. Dieter Uh, Projektleiter der GTZ in Rabat, fährt mit uns die letzten Meter zu seinem Haus. Bei einem lang ersehnten Abendbrot erzählen wir bis tief in die Nacht von unserer Reise Und wir erfahren viel über Marokko, seine Energiepolitik und die Versuche der EU-Länder, ihren Energie-Bedarf nachhaltig durch Sonnenergie aus der Sahara zu decken. katharina



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