In der Königsstadt Fès
Von Rabat nach Fès, 31. August bis 1. September
Unseren freien Sonntag verbringen wir als Gäste von Dieter Uh in seinem Haus direkt am Meer. Der Tag vergeht wie im Flug mit bloggen, Fotobearbeitung, einem langen Interview und dem Kampf mit der Internetverbindung, die ständig abstürzt. Zwischendurch kühlen wir uns im Atlantik ab und löchern Dieter mit Fragen über Marokko, die er uns unermüdlich und geduldig beantwort. Die Sehnsucht nach Fahrtwind und unser straffer Zeitplan treiben uns Montag früh auf den Weg nach Fès.
In der brütenden Nachmittagshitze erreichen wir das einstige Zentrum des westlichen Islams. Eigentlich gehört Fès mit seiner Vielzahl an Baudenkmälern und Kunstschätzen zu den wichtigsten touristischen Attraktionen des Landes. Doch Ramadan und Hochsommer halten die meisten BesucherInnen von der ältesten Königsstadt Marokkos fern. Nur eine kleine Anzahl Unermüdlicher schleppt sich durch die mittelalterliche Medina.
Wir sind sofort gefangen vom Charme der verwinkelten engen Gässchen, die uns auf und ab durch die Altstadt führen. Vor sandfarbenen Häusern preisen alte und junge Händler in Jeans und T-Shirt ihre Waren an. “Welcome” und “Bienvenue” schallt es uns immer wieder entgegen. Hier gibt es alles zu kaufen, was das Herz begehrt: Von Zahnpasta, Taschen und Handys bis hin zu gackernden Hühnern, saftigen Datteln und Tongefäßen. Bleiben wir stehen, werden wir sofort von Führern umringt, die uns in ein Restaurant ziehen oder zu den Gerbern geleiten wollen. Männer mit schwer bepackten Mauleseln bahnen sich mühsam den Weg zwischen Schaulustigen, Händlern und Touri-Schleppern durch. Hier haben trotz Ramadan auch die Teehäuser geöffnet – jedoch nur für die AusländerInnen. Marokkaner sitzen hier während der Fastenzeit nicht und Marokkanerinnen sieht man sowieso nie auf den Terrassen bei einem Tee sitzen.
Das Internet-Café neben unserem Hostel wird hingegen auch tagsüber von zahlreichen Marokkanern besucht. Hier lernen wir Nabil kennen, einen jungen, sportlich gekleideten marokkanischen Germanisten, der hier in der Medina lebt. Nabil freut sich über die Gelegenheit, seine Sprachkenntnisse anzuwenden. “Ich möchte gern nach Deutschland gehen”, sagt er in fast fließendem Deutsch. “Hier in Fès kann man kaum etwas anderes machen, als Touristen herumzuführen“. Aber um in sein Traumland zu immigrieren, bräuchte er viel Geld – oder er müsste eine Deutsche heiraten. “Wozu soll ich denn auswandern, wenn ich hier viel Geld und gute Arbeit hätte?” fragt er mich.
Um kurz vor sieben wird es lebhaft auf den Straßen vor den Toren der Medina. Auch hier öffnen jetzt die Teehäuser. Männer strömen von allen Seiten herbei und setzen sich an die kleinen runden Tische. Tüten werden ausgepackt, Brotfladen und kühle Wasserflaschen auf die Tische gestellt. Dann wird gewartet. Um Punkt sieben ertönt ein Kanonenschlag – das Fasten ist gebrochen. Die Menschen auf den Straßen und in den Cafés schrauben Flaschen auf und trinken sie gierig in einem Zug leer. Brotstücke werden abgebrochen und in die dicke Harira getaucht. Von allen Seiten erschallt nun der Ruf des Muezzins und ruft die Gläubigen zum Gebet. Wir warten noch eine halbe Stunde und machen uns dann selber auf den Weg ins Restaurant. Auch die Kellner und Köche haben schließlich den ganzen Tag gefastet und freuen sich auf etwas zu Essen und zu Trinken, bevor sie wieder die Gäste bedienen. Gemeinsam wird anschließend Champions-League geschaut. Barcelona gewinnt 3:0 – und alle freuen sich – egal ob aus Marokko, Katalonien oder Deutschland.
Unser Abend endet mit Minztee und Kaffee im Teehaus neben unserem Hostel. Dann fallen wir müde und stadtsatt in unsere schmalen Betten. katharina





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