Im Land der BerberInnen
Liebe Daheimgebliebenen,
mehrfach habt ihr jetzt schon gefragt, warum es denn immer so lange dauert, bis ihr Neues von unserer aufregenden Reise lesen könnt. Die Erklärung ist einfach: Mit unserer mobilen Internetverbindung hat es nicht funktioniert und deshalb sind wir auf größere Städte und deren Internetcafés – oder auf das schicke Riad in Marrakesch von wo aus ich gerade schreibe – angewiesen. Danke an euch für all die guten Wünsche. Und jetzt wollen wir auch von euch etwas erfahren: Was machen die Kinder auf dem Land in Marokko eigentlich mit den ganzen Kulis, die sie von den TouristInnen sammeln? Schreibt uns, wenn ihr es wisst oder eure Theorien loswerden wollt!
Durch den mittleren Atlas, 1. bis 3. September
Der würzige Duft grüner Zedernwälder umfängt uns auf der kaum befahrenen Landstraße in Richtung Marrakesch. Wir sind im mittleren Atlas, fahren durch Sandsteingebirge, kühle Wälder und Olivenhaine. Ab und zu kreuzen Hirten mit ihren Schafherden unseren Weg. Holzhütten und einfache Steinhäuser der Berberfamilien tauchen immer wieder am Wegrand auf. Je weiter wir in Richtung Azilal vordringen, desto bewohnter wird die Gegend. Wenn uns die Kinder erspähen, rennen sie auf unsere Autos zu, winken und rufen „Stilo, Stilo“. Sie wollen Kugelschreiber oder Bonbons, was auch immer wir hergeben wollen. Die Einsamkeit der Wälder haben wir längst hinter uns gelassen, als wir bei Sonnenuntergang endlich eine flache Ebene für die Übernachtung gefunden haben.
Sofort sind wir von Kindern umringt, die unsere Autos und uns begutachten. Ein sympathischer junger Mann in Shorts, T-Shirt und Adidas-Schuhen kommt auf unseren Parkplatz und ruft die übermütigen Kinder zur Ordnung. Freundlich bietet er uns an, in seinem Hof zu parken und lädt uns zum Essen ein.
Eigentlich sind wir müde und hatten uns auf ein Bier, Brot mit Datteln und Oliven und vor allem etwas Erholung gefreut. Doch das Angebot ist zu verlockend.
Wir folgen Mohammed in sein Haus, zwei kleinen Gebäude aus Beton, die um einen hell erleuchteten Hof gebaut sind. Er führt uns in den Wohn- und Schlafraum, dessen eine Hälfte vollständig mit Teppichen und Fellen ausgelegt ist. Wir setzen uns im Schneidersitz hin und schauen uns um. Uns gegenüber steht ein zwei Meter hoher strahlend weißer Kühlschrank auf dem ein gerahmtes Bild von Mohammeds Frau und ihren Eltern steht. Mohammed fragt, ob wir Musik mögen und schaltet den Fernseher an. Sorgfältig dreht er den Schirm, so dass wir alle genug von den Musikvideoclips sehen können, die er einlegt. „Comment s’apelle la musique?“ fragen wir. Mohammed schaut ratlos. Wir deuten auf den Fernseher und fragen „Musique marocaine?“ Der junge Berber lächelt und nickt „Oui, musique marocaine“. Schweigend beobachten wir eine Zeitlang die sich wiegenden TänzerInnen und genießen unseren Minztee. Die Verständigung ist schwierig, da wir weder berberisch noch arabisch sprechen.
Hin und wieder holt Mohammeds Frau, eine schlanke junge Frau mit freundlichem Lächeln, Gemüse aus dem Kühlschrank. Die Frauen der Familie sitzen mit ein paar Nachbarinnen und einem Nachbarn in der Küche, im Nebenraum. Nathalie, Lena und ich freuen uns über die Abwechslung und gesellen uns zu den Berberfrauen. Alle tragen Hosen oder Leggins, lange T-Shirts und einen Wickelrock. Um den Kopf haben sie lose weiße und schwarze Tücher geschlungen. Wir lächeln uns an und verständigen uns mit französischen Wortbrocken, Händen und Füßen.
Als die Tajine zubereitet ist, gehen wir wieder in den Nachbarraum und hocken uns auf die Teppiche um einen kleinen Tisch herum. Der Gastgeber geht mit einer Schüssel herum und gießt uns Wasser über die Hände. Wir essen alle aus einem Tontopf. Statt Messer und Gabel tunken wir mit der rechten Hand Brot-Stücke in die köstlich duftende Hühnchen-Gemüse-Tajine. Eine Herausforderung für uns ungeübte EuropäerInnen. Doch die zweite Hand zur Hilfe zu nehmen ist ein Tabu: In muslimischen Ländern verwenden viele Menschen kein Toilettenpapier sondern die linke Hand um sich abzuwischen.
Beim Essen unterhalten wir uns über europäischen Fußball. Ein Gespräch, das sich wegen der Sprachbarrieren auf das Aufzählen unserer Lieblingsclubs und die Kickerstars maghrebinischer Herkunft beschränkt. „Zinedine Zidane“ „Ah Oui, Zidane“ – „Barca“ „Non, Madrid“. Nach einem Nachtisch aus frischen saftigen Melonen verabschieden wir uns müde und satt und verschwinden nach einem langen Tag zu unseren Schlafstellen. katharina





2 Kommentare so far
Leave a comment
> Was machen die Kinder auf dem Land in Marokko eigentlich mit den ganzen Kulis
– Na, Blasrohr spielen natürlich; und ansonsten vielleicht Objekte basteln?
By Andreas on 09.04.09 19:58
Lieber Andreas,
danke für Deinen Kommentar. Was für Objekte meinst Du denn?
Grüße
Katharina
By katharina on 09.04.09 21:43
Hinterlasse einen Kommentar
Line and paragraph breaks automatic, e-mail address never displayed, HTML allowed:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>