Kopfüber ins Gewimmel der Medina

Die Straßen von  Marrakesch, 3. bis 5. September

Aussicht vom Dach über die Medina von Marrakesch. © N. Bertrams
„Attention“ ruft die Mofafahrerin, bevor sie haarscharf an meiner rechten Schulter vorbeisaust. Nur einen Meter später legt sie eine Vollbremsung hin und schrammt am linken Kotflügel eines Citroen entlang. Der Fahrer flucht auf Arabisch, doch die Frau in ihrem bunten Kaftan ist schon im Gewühl der engen Gassen Marrakeschs verschwunden.

In den Straßen Marrakeschs. © N. Bertrams
Nach zweieinhalb ruhigen Tagen in den Bergen sind wir in der quirligen Königsstadt angekommen. Der Lärm ist unglaublich. Es ist sechs Uhr und alles ist in hektischer Bewegung. Menschen auf Mofas, Fahrrädern, Pferdekarren oder in Autos schreien, hupen, rempeln und gestikulieren. Dazwischen versuchen TouristInnen mit gequältem Gesichtsausdruck, sich einen Weg durch das Chaos zu bahnen. Am Straßenrand sitzen HändlerInnen in Jeans oder Kaftan, mit Kopftuch und Capi, die Feigen, Gebäck und kühle Getränke zum Verkauf anbieten. Es riecht nach frisch gebackenem Brot und Abgasen, Pferdeäpfeln und Koriander. Alle fünf Meter zupft ein Kind einen von uns am Ärmel: „Souk? Souk?“ – Nein, wir wollen nicht zum Marktplatz, keine Kleenex kaufen, suchen weder Hotel noch Restaurant

Medina von Marrakesch bei Nacht. © N. Bertrams

Die Straßen winden sich um kleine Häuser und unscheinbare Tore, hinter denen sich prächtige Riads, die ehemaligen Häuser der Oberschicht, verbergen. Auch wir wohnen sind in einem solchen Prachthaus mit kühlen, gekachelten Innenhöfen, duftenden Rosen und einer Dachterrasse mit Blick über die gesamte Altstadt Marrakeschs. Hier hört man nichts vom Trubel und Lärm der Innenstadt.

Essen auf dem Jemaa el Fna. © N. Bertrams

Am zweiten Tag suchen wir uns Träger mit Schubkarren, die unsere Wasserkanister zum Riad und wieder gefüllt zurücktransportieren. Am Auto treffen wir Wada und Mohammed, zwei marokkanische Jungs in Baggy Jeans, Shorts und T-Shirt. Wada, der jüngere der beiden, regelt die Kommunikation mit den TouristInnen. „Espanol?“ fragt er. – „Non, non Alemande. Sprichst Du Spanisch?“ -  „Klar“ Wada grinst – Spanisch, Französisch, Italienisch, Englisch, er spricht alle Sprachen der BesucherInnen. Doch sofort wird er wieder ernst – denn jetzt geht es ums Geschäft. Hartnäckig verhandeln Wada und Mohammed mit Eric über ihren Lohn.

Souk von Marrakesch. © N. Bertrams

Unsere beiden Helfer bewegen sich sicher mit dem unhandlichen Holzkarren und unseren Wasserkanistern durch das Gewühl der Straßen. Hier kennen sie sich aus, sie beherrschen ihren Job. Unterwegs begrüßen sie andere Jungs mit Handschlag oder einem Nicken. Ein kleines Mädchen in rotem Kleid zwinkert Wada zu. Bei der Ankunft im Riad warten sie vor dem Eingang auf die gefüllten Kanister. Ein kühles Getränk lehnen sie ab, schließlich fasten sie noch bis sieben Uhr. Als der Gebetsruf um Punkt sieben durch die Straßen schallt, fangen die beiden an zu rennen. Unterwegs schnappt sich Mohammed die Wasserflasche eines vorbeilaufenden Jungen. Nach einem schnellen Schluck geht es weiter. Am Wagen angekommen, drückt ihnen Eric ihren Lohn und zwei Flaschen frischen Melonensaft in die Hand. Nachdem sie etwas getrunken haben, sind Wada und Mohammed wieder entspannt. Wir plaudern noch eine Weile und teilen einträchtig den Melonensaft, dann geht es zurück zum Riad – und einer kühlen Cola auf der Dachterrasse. katharina

1 Kommentar so far
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Liebe Katharina,

bei Euren Reisebeschreibungen wird man ganz neidisch. Toll, was ihr alles so erlebt.

Wir hoffen Eure weitere Reise bleibt so friedlich. Burkina Faso steht nämlich mehr oder weniger unter Wasser. Am 1. September gab es so viel Niederschlag, wie normalerweise nicht innerhalb eines Jahres.
Wir wünschen Dir und Deinen Mitreisenden alles Liebe und Gute,
Deine Jutta und Patricia aus der Welthungerhilfe-Zentrale



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