Marokkanische Fahrstunde

Stell dir vor, du fährst mit dem Auto durch ein anderes Land und denkst, du hättest die Verkehrsregeln verstanden: Es gibt Ampeln, es gibt Stoppschilder und es gibt blau-weiß gekleidete königliche Polizisten, die jeden Regelverstoß ahnden. Ganz ähnlich wie in Deutschland. Oder doch nicht? Hier ein paar Sonderregeln für das Auto fahren in Marokko:
1. Fahre nicht über * Ampeln
Fahre in Marokko nicht über rote Ampeln. So weit – so klar. Aber was genau ist eine rote Ampel? Muss sie tiefrot sein? Ist auch eine gelbe Ampel eine rote Ampel? Was ist mit grün? Oder grün blinkend? Merke: Wenn du auf eine Ampel zufährst, starre auf das Licht, bis du direkt drunter herfährst. Und wenn sie dann auf gelb umspringt, lege eine Vollbremsung hin. Egal, wer hinter dir ist. Wer dir drauf fährt, ist selber schuld. Denn: Über eine rote oder gelbe Ampel zu fahren kostet 400 Dirham. Und noch etwas: Diskutiere lange mit den Polizisten über die Farbe der Ampel, denn ist er schlecht gelaunt, sieht er auch bei grün rot.
2. Blue Brother is watching you

Generell gilt in Marokko: Die Polizei lauert überall, wo AutofahrerInnen Regeln verletzen könnten. An jedem Kreisverkehr und jeder Ampel stehen mindestens zwei königliche Gesetzeshüter, die dich für jeden Regelübertritt sofort bestrafen. Fühle dich niemals sicher. Denn auch mitten in der Wüste, wo es nichts mehr gibt außer Geröll, Kamele und Strommasten, verstecken sie sich mit Geschwindigkeitsmessern in den Ecken und Kurven. Aus dem nichts tauchen auf einmal Geschwindigkeitsbegrenzungen und tragbare Stopp-Schilder auf. Und wehe dem, der nicht sofort bremst. Oder der an einen gelangweilten, hungrigen oder zornigen Blau-Weißen gerät.
3. Beachte alle Stoppschilder

Ein Stoppschild zu überfahren ist eine ernste Sache. Auch wenn die ausländischen FahrerInnen vom Anblick der gigantischen patriotischen Monumente abgelenkt werden. Dieser Regelverstoß soll uns ebenfalls 400 Dirham kosten. Und die Polizisten sind sehr schlecht gelaunt. Denn es soll eine Quittung geben. Aber den Quittungsblock hat der Polizeichef in der Dienststelle vergessen. Nun muss er wütend auf sein Mofa springen und laut fluchend ins Präsidium fahren, um ihn zu holen. Mit 80 kmh und dem Block unter dem Arm kommt er nach zehn Minuten zurückgerast. Ohne am Stoppschild zu halten. Sebastian fordert, nun müsse auch der Chef 400 Dirham zahlen. Jetzt ist der Spaß für die Polizisten endgültig vorbei. „Du bist kein Fahrer“ brüllt der Chef. Und der andere schreit: „Erst müsst ihr zahlen, ihr habt zuerst das Stoppschild überfahren:“. Ein LKW rast an uns vorbei. Auch er ist zu beschäftigt, um regelkonform drei Sekunden zu halten. Wir zahlen das Bußgeld, erhalten unsere Quittung – und bleiben stehen. Denn jetzt muss tatsächlich auch der Polizeichef ein paar Scheine abdrücken. Und bekommt eine rosafarbene Bestätigung. Ordnung muss schließlich sein. katharina
2 Kommentare so far
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Ne! Ich bin zwischen laut lachen und Euch bemitleiden hin und her gerissen. Wunderbar geschrieben… liebe Grüße, Marta *kicher*
By marta on 09.10.09 14:25
Viel Cous-cous für Nathalie! I.h.v.j!
Viel Impetus für die sympathische Crew!
Umwerfend komisch die Knöllchen-Revanche!
Paulina und Gerhard
By Paulina Heiligenthal on 09.11.09 12:54
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