Durch die westsaharische Wüste
6. bis 9. September

Wer durch die Wüste fährt, sollte genug Wasser und Benzin mitnehmen. Nur in der Westsahara sind prall gefüllte Benzinkanister nicht so wichtig. Denn wenn man sich hier auf eines verlassen kann, dann sind es die Tankstellen auf dem Weg nach Mauretanien. Neben der Teerstraße, den Handy- und Strommasten sowie den Militärkontrollen scheinen sie auf den ersten Blick das einzige Zeichen menschlichen Lebens entlang der 1.000 Kilometer langen Küstenstraße zu sein. Geröll, Stein und Sand, bewachsen mit niedrigen angestaubten Büschen begleiten uns den Großteil der Strecke. Als FahrerIn droht man in Trance zu fallen beim Blick auf die schnurgerade, glattgebügelte Straße und die immer gleiche Landschaft, die sich endlos um uns herum erstreckt. Jede Kurve ist eine Erholung, jeder Hügel eine Wohltat für die müden Augen. Ab und zu wird die Steinwüste von Sanddünen und schroffen Klippen, die zum tobenden Atlantik hinabstürzen, abgewechselt. Dann bleiben wir stehen, genießen die atemberaubende Natur, machen Fotos oder filmen für unsere Dokumentation.
Doch der erste Schein trügt: Schaut man genau hin, sieht man am Straßenrand kleine, sorgsam aufgehäufte Steinhügel oder an Felsen gelehnte Autoreifen, die die Auffahrt zu einer Piste ans Meer markieren. Folgt man den holprigen Wegen, erblickt man in die Dünen geduckte sandfarbene Zelte, kleine Fischerboote und blaue Wassertonnen. Doch an den Zelten begegnen wir keinen Menschen. Leben hier die Saharuis, die BewohnerInnen Westsaharas, die seit dem Abzug der Kolonialmacht Spanien von Marokko beherrscht werden?

Von der marokkanischen Grenze bis zur westsaharischen Hauptstadt Laayoune nehmen wir einen alten Mann in einem luftigen weißen Gewand mit. 24 Jahre habe er in der spanischen Armee gedient. Jetzt ist er Rentner und lebt als Ziegenhirte in der Nähe von Laayoune. Von seinem harten Leben berichten auch seine knorrigen, von der Athrose gekrümmten Hände, die er in seinem Schoß knetet, während wir uns unterhalten. Über die Westsara spricht der alte Mann nicht gern. Lieber erzählt er von Mauretanien, wo er geboren wurde – und vor allem von Spanien. „Muy buena gente“ – sehr tolle Leute, wiederholt er immer wieder.
Abends campen wir in der idyllischen Bucht von Dakhla. Der Strand und die kühlen 24 Grad erinnern eher an die windige Nordsee als an unsere Vorstellungen der Wüste. Wir sitzen am feinen weißen Sandstrand und genießen den kitschig-pinken Untergang der Sonne über dem Meer. Morgen kommen wir endlich in Mauretanien an – ein Stück weiter unserem Ziel, Westafrika, entgegen. katharina
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