Wer hat Angst vor Mauretanien?

Von Nouadhibou nach Nioro, 9. bis 14. September

Düne rutschen in Mauretanien. © N. Bertrams
„Mauretanien ist ein Land vom überwältigender Schönheit und eine sanfte Einführung in das sub-saharische Afrika“ – lockt uns der Reiseführer. Erfrischend nach all den Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes, die mehr mit der anstehenden Bundestagswahl in Deutschland als den realen Gefahren im Land zu tun haben. Nichtsdestotrotz haben wir diesen Teil der Route besonders sorgfältig geplant. Ausgiebig haben wir uns erkundigt, welche Strecken als sicher gelten und welche Vorsichtmaßnahmen beachtet werden sollten.

Tramper in Mauretanien. © N. Bertrams
Doch schon die Einreise gestaltet sich als deutlich entspannter als angenommen. Durch den „Todesstreifen“, eine holprige und verminte Sandpiste im Niemandsland zwischen Westsahara und Mauretanien, werden wir sicher von einem ortskundigen Schlepper geleitet. Als Gegenleistung kaufen wir ihm zu einem fairen Preis eine Autoversicherung für Mauretanien ab und lassen uns zu einem kleinen Campingplatz in der Küstenstadt Nouadhibou bringen. Genauso wie in der Westsahara scheinen Mercedes und Landcruiser die beliebtesten Fahrzeuge zu sein. Doch Autos konkurrieren hier hart mit kleinen, von Eseln gezogenen Holzkarren, die um jede Ecke schießen. Auf den Ladeflächen treiben Peitsche schwingende Männer mit weißen Turbanen und weiten, flatternden Umhängen die erschöpften Tiere zu immer höherem Tempo an.

Teezeremonie in Mauretanien. © N. Bertrams
Je weiter wir in den Süden des Landes vordringen, desto häufiger begegnen wir schwarzen MauretanierInnen. Angehörige der Peul oder Tukulore, die seit Jahrhunderten von den ehemaligen Kolonialherren sowie den arabischen und berberischen MaurInnen diskriminiert werden. In der Regel werden wir sehr freundlich aufgenommen und mit einer ausgiebigen Teezeremonie begrüßt.

Drei Gläser muss man von dem aufwändig zubereiteten, stark gesüßten grünen Tee trinken – so verlangen es die Höflichkeitsregeln. Anders als in Marokko, wo gesetzlich festgelegt ist, dass der Ramadan eingehalten werden muss, fasten viele mauretanische Gläubige nicht. Eine interessante Entdeckung, denn die islamische Republik im Nordwesten Afrikas scheint viel muslimischer als das Nachbarland Marokko. Und eine große Erleichterung für uns: Endlich können wir wieder in der Öffentlichkeit ohne Sorge essen und trinken.

Rosinante in den Fluten. © N. Bertrams
Andere TouristInnen treffen wir weder in Noudhibou noch in der Hauptstadt Nouakchott. Hier richten wir uns in einer gemütlichen Auberge im Zentrum ein und warten auf die Ankunft von Jenny, unserer sechsten Mitreisenden. Unsere Pläne für den nächsten Tag, Besuch bei der Deutschen Botschaft und diverse Internetaktivitäten, müssen wir abblasen. Es ist Freitag, nach islamischem Kalender also Wochenende, und damit haben alle Behörden geschlossen. Außerdem sind sowohl der Strom als auch das Wasser ausgefallen. So ruhen wir uns ausgiebig im grün bepflanzten Innenhof unserer Bleibe aus und versuchen der feuchten Hitze zu entgehen, indem wir unsere Liegen von einem Baumschatten zum nächsten schleppen.

Zu sechst geht es am nächsten Morgen weiter in Richtung Mali. Überwältigend ist Mauretaniens Landschaft in der Tat: Bis kurz hinter Nouakchott dominieren Wüstenlandschaften das Bild. Statt an flacher Steinwüste fahren wir nun bei 42 Grad an hohen, gelben Sanddünen wie aus dem Bilderbuch vorbei. Je weiter wir in Richtung Osten vordringen, umso fruchtbarer und flacher wird es. Es ist Regenzeit und die sonst trockene sahelische Landschaft leuchtet in frischem Grün. Immer wieder versperren uns Schafe, Esel und Ziegen den Weg. An manchen Stellen überschwemmt der sintflutartige Regen, der immer wieder plötzlich über uns hereinbricht, auch die Teerstraße. Dann bilden sich große Menschenansammlungen und alle warten darauf, dass der Regen schwächer wird oder sich ein Geländewagen traut, die Furten zu durchqueren. Wir gewinnen viele FreundInnen und Bewunderer, indem wir nicht nur mutig als Erste durch die reißenden Bäche fahren, sondern auch noch wartende Frauen und Kinder auf die andere Seite bringen.

Trotz der herrlichen Landschaft und der gastfreundlichen MaurtanierInnen freuen wir uns, als wir uns Montagmorgen endlich bei Timbedgha der Grenze zu Mali nähern. Westafrika ruft uns mit seinen  Baobabs, leckerer Erdnusssoße und der Aussicht auf ein kaltes Bier. Katharina

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