Sommer, Sonne, Solarenergie

Besuch im Solarkraftwerk Andasol in Granada, 28. August

Solarpanel in ANDASOL, Almería. © Nathalie Bertrams

Vor Sonnenaufgang brechen wir am Donnerstagmorgen in die Provinz Granada auf. Den ersten Kaffee gibt es in einer kleinen Raststätte im Industriegebiet. Eine Frau mit starkem südspanischem Dorf-Dialekt schenkt uns Kaffee ein. Auf dem Sims hinter ihr stehen Patronenhülsen. „Que es?“ frage ich. Sie lächelt durch ihre Zahnlücken und lässt einen Wortschwall andalusisch auf mich einprasseln. „Hollywood“ ist das einzige, was ich verstehe. Stimmt! In der Sierra Nevada ist der Parque Leone  – benannt nach Sergio Leone und Filmkulisse für zahlreiche Italowestern. Heute eine der großen Touristenattraktionen Granadas.

In Andasol umrunden wir erst einmal die riesigen metallisch glänzenden Solarfelder. Im Gegensatz zu den in Deutschland häufigen Photovoltaikanlagen sind die Kollektoren in Andasol bogenförmig. Wenn die Sonne über den Himmel wandert, bewegen sich die zwei Meter hohen Panele mit. Tausende kleiner Spiegel reflektieren das Sonnenlicht auf die weißlich schimmernden Absorberröhren. Wenn man zu lange hinguckt, wird man geblendet, als schaue man direkt in de Sonne. Wo die Strahlen auf den Boden auftreffen, breitet sich ein goldgelber Streifen aus.

Um 10 Uhr treffen Lena, Sebastian und Eric den Chefingenieur von Andasol, Oliver Vorbrugg, zum Interview. Ein junger Mann aus Nürnberg, der freundlich und geduldig wartet, bis wir die besten Stellen zum Filmen gefunden haben. Eine schwierige Aufgabe, denn die Anlage ist komplett von Stacheldraht umzäumt. Lena, Sebastian und Herr Vorbrugg entscheiden sich schließlich für das Dach des Landcruisers als Drehort

Dreh auf dem ANDASOL-Gelände in Almería. © Nathalie Bertrams

Nicht nur das Klettern auf das Autodach meistert der Ingenieur prima. Als geübter Interviewpartner erklärt er die einzelnen Bauteile und ihre Funktionen und erzählt von seiner persönlichen Vision für die künftige Nutzung der Sonnenenergie. Vorbrugg erklärt uns, dass zwei der drei Solarfelder bereits fertig gestellt sind. Zusammen nehmen sie eine Fläche von zwei Quadratkilometern en. Tag und Nacht liefern sie Strom für bis zu 200.000 Personen.

Müde aber zufrieden geht es nach einer langen Mittagspause weiter in Richtung Süden. In Gedanken sind wir bereits in Marokko. katharina

Wo die Tomaten wachsen

Von Deutschland nach Almería, 24. bis 26. August

Gruppenbild © Bertrams
Pünktlich um sieben Uhr rollen wir am Montagmorgen in Bonn los.  Die erste Etappe verläuft zügig und auch das Kolonnefahren klappt wie am Schnürchen.  Zwischen den Autos kommunizieren wir über Funkgerät.  Eine schlaue Idee – nur die Umsetzung lässt zu wünschen übrig: „Hallo, sollen wir eine Pause machen?“ – „Waaas?“ – „Pause machen!“ – „Wir haben nichts verstanden“ – „Waaas?“ –

Abends treffen wir Andreas von Afrisolar an der französischen Mittelmeerküste. Le Grau du Roi war einmal ein idyllisches Dörfchen, doch die Zeiten sind lange vorbei. Campingplatz reiht sich an Campingplatz. Wem Spiel und Spaß am Mittelmeer nicht genügen, kann sich abends unter freiem Himmel und den dampfenden Schwaden einer Nebelmaschine in einer der Campdiscos vergnügen. Ein lauschiges Plätzchen zum Schlafen finden wir in dieser Nacht nicht.

Die Rosinates an der Westküste Spaniens. © Nathalie Bertrams
Am nächsten Tag brechen wir nach Spanien auf. Der Touri-Meile entlang der Costa Brava ziehen wir die Autobahn mitten durchs gebirgige Herz Spaniens vor. Das Grün der Pyrenäen weicht einem staubigen Braungrau, je weiter wir uns in Richtung Süden bewegen. Die Sonne knallt auf unsere Autodächer. Außer uns ist fast niemand auf der Autobahn, die sich auf und ab durch die Berge schlängelt. Das einzige Zeichen menschlichen Lebens sind die Raststätten, die alle 80 Kilometer mitten in die öde Landschaft gesetzt wurden. Hinter Cartagena beginnen die langen Reihen Gewächshäuser – Tomaten made in Spain. Wir nähern uns Almería, der Quelle deutschen Supermarktgemüses.

Von den vielen Kurven ist uns schon ganz schummerig, als wir uns endlich unserem Ziel nähern: Der Naturpark Cabo de Gata am äußersten Zipfel der östlichsten andalusischen Provinz. Hier hoffen wir auf einsame Buchten ohne Hotelburgen und Action-Campingplätze.

Gewächshäuser in Almería. © Nathalie Bertrams
Die letzten Kilometer führen uns durch verarmte kleine Dörfer. Die idyllischen weißgetünchten Häuser umgeben von Olivenhainen, für die Andalusien so berühmt ist, sind hier weit weg. Stattdessen trostlose trockene Straßen und ab und zu eine schäbige Bar. Hinter den Dörfern fahren wir an endlosen Reihen Treibhäusern vorbei. In den Orten bewegen sich fast ausschließlich junge Männer, die uns hinterher pfeifen. Frauen gibt es auf der Straße kaum. In jedem Fleckchen Schatten sitzen kleine Grüppchen, plaudern und genießen ein bisschen Kühle und Ruhe. Nord- und Westafrikaner, die bei fast 40 Grad Außentemperatur in den niedrigen Gewächshäusern Gemüse pflücken. Kein Europäer macht diese Arbeit – die Löhne sind zu niedrig.

Wir atmen auf, als wir endlich an der Küste ankommen. An einer kleinen Bucht parken wir unsere Autos und springen erst einmal ins Wasser – den Reisestaub abwaschen. Bei Rotwein und Pasta mit frischer Tomaten-Zucchini-Sauce besprechen wir die Pläne für den nächsten Tag. Der erste Dreh für unsere Dokumentation über Erneuerbare Energien steht an: Im größten Solarkraftwerk der Welt Andasol. katharina

Aufbruch in Bonn: Alles was wir brauchen sind zwei Autos und Glück

Liebe FreundInnen, KollegInnen und Afrika-Interessierte,

von Berlin nach Ouagadougou – das sind fast 9.000 Kilometer. Eigentlich keine Strecke, die man mit dem Auto zurücklegt. Es sei denn, man möchte einen Bus mit dem vielversprechenden Namen Rosinante nach Burkina Faso fahren und zur Gründung von Afrisolar Westafrika verschenken. Eins ist auf jeden Fall wichtig: Man muss es mögen, seinen Jahresurlaub mit Autofahren zu verbringen. Und neben unserer Begeisterung für Afrika, erneuerbare Energien und einer überwiegenden Betätigung im Medienbereich ist es das, was unser sechsköpfiges Team vereint.

Morgen geht’s endlich los mit der Expedition Rosinante, benannt nach unserem liebevoll ausgestatteten Blech-Klepper. Wie so häufig im deutschen Sommer ist nächste Woche Regen vorhergesagt – doch das stört uns nicht mehr. Wir freuen uns auf die Hitze und die Solarprojekte, die wir in Spanien, Marokko, Mauretanien, Mali und Burkina Faso besuchen werden.

Zu Fünft brechen wir mit der Rosinante und einem namenlosen Landcruiser in Bonn auf – die sechste Reisende wird in Nouakchott zu uns stoßen. Vier Monate lang haben wir uns auf diese Fahrt vorbereitet, an der Rosinante geschraubt und in Hamburg sowie am Telefon über Routen gegrübelt. Wir haben finanzielle Förderung und begeisterte logistische UnterstützerInnen gesucht und gefunden.

Der Verein Afrisolar ist Reisepate und Stifter der Rosinante. Wir werden ohne Bus zurück nach Deutschland kehren und das treue Fahrzeug wird ab Oktober für die Arbeit des Regionalverbundes in Burkina eingesetzt.

Und da es uns nicht reicht, Auto zu fahren, spannende Landschaften und Menschen entlang unserer Route zu erleben und Projekte zu besuchen, werden wir auch noch bloggen, filmen und fotografieren.

Unsere erste Zwischenstation ist das größte Solarkraftwerk der Welt – Andasol im spanischen Granada. Mit Rückenwind sollten wir Dienstagabend da sein. katharina